Aktuelle Studien zeigen, dass die Anwesenheit von Männern bei der Geburt eines Kindes unerwartete psychische Folgen haben kann. Experten weisen darauf hin, dass manche Männer während des Geburtsvorgangs starken Stress und Angst erleben, was sich in der Folge auf ihre Vaterrolle auswirkt.
Dr. Jonathan Eve vom Zentrum für Biomedizinische Ethik der Universität Birmingham ist der Ansicht, dass die modernen gesellschaftlichen Normen bezüglich der „Notwendigkeit“ der Anwesenheit von Vätern bei der Geburt oft ein Pflichtgefühl bei Männern erzeugen, dem sie nicht immer gerecht werden können. Dieser Druck kann zu Gefühlen der Inkompetenz und Frustration führen.
Männer, die ihre Vaterrolle mit Gefühlen der Hilflosigkeit beginnen, können ihr Selbstvertrauen verlieren. Dies beeinträchtigt die Entwicklung einer emotionalen Bindung zum Kind und die Unterstützung durch die Partnerin. Laut dem Forscher hält dieses Gefühl der Unzulänglichkeit in manchen Fällen noch viele Monate nach der Geburt an.
Studien zeigen, dass etwa 10 % der Männer, die bei der Geburt anwesend sind, Symptome einer Wochenbettdepression, Angstzuständen oder schwerer emotionaler Belastung entwickeln. Diese psychischen Schwierigkeiten können ihre weitere Beteiligung an der Kindererziehung und dem Erhalt des familiären Friedens beeinträchtigen.
Dr. Ive betont, dass dies nicht bedeutet, Männer vollständig vom Geburtsvorgang auszuschließen, sondern vielmehr die individuellen psychologischen Merkmale jedes werdenden Vaters zu berücksichtigen. Manche Männer können ihre Partnerinnen auch ohne Anwesenheit im Kreißsaal gut unterstützen, was mitunter psychisch schonender für sie sein kann.
Der Experte schlägt vor, gesellschaftliche Erwartungen zu überdenken und Männer durch psychologische Beratungen und spezielle Vorbereitungskurse auf die Vaterrolle vorzubereiten. Dies hilft, traumatische Erlebnisse zu vermeiden und das Vertrauen des Mannes in seine Fähigkeit, ein vollwertiger und aktiver Vater zu sein, zu stärken.
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