Der belgische Premierminister Bart de Wever hat vor den Plänen der Europäischen Union gewarnt, eingefrorene russische Vermögenswerte zur Finanzierung der Ukraine zu nutzen. In einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte er laut Reuters, dass übereilte Entscheidungen die Aussichten auf ein mögliches Friedensabkommen zwischen der Ukraine und Russland gefährden könnten.
Laut dem Premierminister könnte die Einführung eines Mechanismus zur Gewährung eines sogenannten „Reparationskredits“ an die Ukraine auf Basis eingefrorener russischer Vermögenswerte gefährliche Folgen haben. De Wever betonte, dass die Europäische Union durch die Verwendung dieser Gelder vor Kriegsende den Weg zu möglichen Friedensgesprächen „faktisch blockieren“ würde. Er hob hervor, dass eingefrorene Vermögenswerte in der Vergangenheit erst nach dem Ende von Konflikten und im Rahmen der offiziellen Reparationszahlungen des unterlegenen Landes verwendet wurden.
Die Europäische Kommission erarbeitet derzeit einen neuen Rechtsvorschlag, der die Anmerkungen Belgiens berücksichtigen und gleichzeitig die Verwendung der Vermögenswerte in den Jahren 2026–2027 zugunsten der Ukraine ermöglichen soll. Ein solcher Schritt wird als Kompromisslösung gesehen, die politische Risiken minimiert, doch die Diskussionen dauern an.
Inmitten dieser Gespräche geriet Europa zusätzlich unter Druck der USA. Im Rahmen des von Washington vorgeschlagenen 28-Punkte-„Friedensplans“ brachten die USA einen Alternativvorschlag ein: die eingefrorenen russischen Vermögenswerte als Grundlage für gemeinsame Investitionsprojekte mit Russland zu nutzen. Dies führte innerhalb der EU zu weiteren Spannungen hinsichtlich eines möglichen Handlungsszenarios.
Insgesamt sind derzeit russische Vermögenswerte in Höhe von 185 Milliarden Euro in Belgien eingefroren. Weitere 25 Milliarden Euro befinden sich bei Finanzinstituten in Frankreich und Luxemburg. Besonders heikel sind die Vermögenswerte der Zentralbank der Russischen Föderation im Wert von rund 140 Milliarden Euro, die beim belgischen Verwahrer Euroclear hinterlegt sind. Die Risiken eines möglichen Zahlungsausfalls Russlands waren Belgiens Hauptargument gegen eine Entscheidung ohne zusätzliche Garantien.
Nach dem Brüsseler Gipfel am 23. Oktober beschloss die Europäische Union aufgrund der Position Belgiens, die Abstimmung über die Verwendung der eingefrorenen Vermögenswerte zur Unterstützung der Ukraine zu verschieben. Die nächste Verhandlungsrunde über das sogenannte „Reparationsdarlehen“ ist für den 18. und 19. Dezember angesetzt. Dabei werden die Parteien versuchen, einen Kompromiss zwischen rechtlichen, finanziellen und politischen Risiken zu finden.
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