Trotz der anhaltenden Angriffe auf die Energieinfrastruktur beweist die ukrainische Wirtschaft eine hohe Anpassungsfähigkeit. Laut der Industrie- und Handelskammer sind 80 % der Unternehmen mit Generatoren und anderen alternativen Energiequellen ausgestattet, wodurch sie ihre Produktionsprozesse auch bei Stromausfällen aufrechterhalten können.
Dies berichtete Andrij Pyshny, Vorsitzender der Nationalbank der Ukraine (NBU). Er betonte, dass sich die Situation im Vergleich zu 2022 dramatisch verändert habe. „Unternehmen, die damals nur ums Überleben kämpften, arbeiten jetzt planmäßig. Wir haben gelernt, unter ständiger Bedrohung effektiv zu arbeiten“, so der NBU-Chef.
Ende Oktober revidierte die Nationalbank ihre Prognosen für die durch Beschuss verursachten Stromausfälle. Schätzungen zufolge könnten diese im vierten Quartal 2025 4 % erreichen, im Jahresdurchschnitt etwa 1,3 % und im Jahr 2026 3 %. Gleichzeitig wird für 2025 eine Inflation von 9,2 %, für 2026 von 6,6 % und für 2027 von 5 % erwartet.
Seit 2022 setzen Banken Programme zur Förderung von Projekten zur Sanierung der Energieinfrastruktur um. Initiativen zum Aufbau von Erzeugungskapazitäten von fast 1,3 MW wurden bereits finanziert, ebenso wie Lösungen für Energiespeicherung und Wärmeerzeugung mit einer Leistung von 1,4 MW. Dies ermöglicht es Unternehmen, auch unter schwierigen Bedingungen von Energieknappheit funktionsfähig zu bleiben.
Die Kreditvergabe in der Ukraine wächst seit über zwei Jahren in Folge. Die Kredite in Hrywnja steigen jährlich um mehr als 30 %, und der Anteil notleidender Kredite befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Die Nationalbank der Ukraine (NBU) arbeitet gemeinsam mit der Regierung und den Banken an neuen Modellen der Kreditförderung für die Verteidigungsindustrie, um die Wirtschaft an die militärischen und energiepolitischen Herausforderungen anzupassen.
Pyshnyi betonte zudem die Bedeutung der europäischen Integration für die Stärkung der wirtschaftlichen und energetischen Nachhaltigkeit der Ukraine. Bis Ende 2027 sollen die meisten Regulierungen im Finanzsektor vollständig umgesetzt sein. Derzeit entspricht die ukrainische Bankenbranche zu über 78 % den EU-Normen, während es vor dem Krieg nur 50 % waren.
Die ukrainische Wirtschaft passt sich somit nicht nur den ständigen Herausforderungen an, sondern stärkt auch schrittweise ihre Energie- und Finanzstabilität, erhält die Effizienz der Unternehmen aufrecht und fördert die Entwicklung strategischer Sektoren.
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