Vor etwa 100.000 Jahren begannen die Menschen, von Afrika aus in verschiedene Regionen der Erde zu wandern. Jeder neue Ort brachte einzigartige Bedingungen mit sich – ein anderes Klima, neue Nahrungsquellen und vor allem unbekannte Krankheitserreger und Parasiten. Diese Faktoren hatten einen starken Einfluss auf die Entstehung des genetischen Profils verschiedener Populationen. Diejenigen, deren Gene besser an einen bestimmten Lebensraum angepasst waren, überlebten.
Wissenschaftler der University of California in Berkeley fanden heraus, dass parasitäre Würmer von allen Umweltfaktoren den größten Einfluss auf die menschliche Genetik hatten. Die Studie analysierte Daten von mehr als 1.500 Menschen aus 55 Populationen. Um den Einfluss der Faktoren zu bewerten, wurde ein statistisches Modell verwendet, das genetische Unterschiede mit Klima, Nahrungsbeschaffungsstrategien und Krankheitserregervielfalt verglich.
Die Ergebnisse zeigten, dass Parasiten den größten Einfluss auf die menschliche Evolution ausübten. Dabei waren Helminthen, nicht Bakterien und Viren, die wichtigsten. Im Gegensatz zu sich schnell verändernden Viren und Bakterien entwickeln sich Würmer langsamer, was dem menschlichen Körper die Möglichkeit gibt, stabile Abwehrmechanismen zu entwickeln und im Genom zu verankern.
Die Analyse ergab Veränderungen in 103 Genen, die am stärksten mit der pathogenen Umgebung korrelieren. Ein Viertel dieser Gene steht in direktem Zusammenhang mit dem Immunsystem, von der Erkennung von Krankheitserregern bis zur Regulierung von Entzündungsprozessen. Diese Anpassung trug dazu bei, Parasiten effektiver zu bekämpfen und erfolgreiche Abwehrreaktionen zu fixieren.
Diese evolutionäre Strategie hat jedoch auch eine Kehrseite. Ständiges „Training“ des Immunsystems gegen Helminthen führte zu dessen Überaktivität. Infolgedessen erwiesen sich einige der unter dem Druck der Parasiten gebildeten Gene als mit einem erhöhten Risiko für Autoimmunerkrankungen verbunden, bei denen der Körper seine eigenen Zellen angreift.
Die Interaktion mit parasitären Würmern spielte somit eine bedeutende Rolle in der Geschichte des Homo sapiens. Diese Organismen wurden zu einem wichtigen evolutionären Faktor, der unsere Immunität prägte und gleichzeitig die Voraussetzungen für einige chronische Krankheiten schuf.
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